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Leserbrief von Holger Geißel v. 18.06.2022

"Erste 5G+-Antennen", DK, 15. Juni 2022

Ohne qualifizierte Technikfolgenabschätzung und Gesundheitsvorsorge schreitet der Ausbau mit der neuen Technologie 5G+ zügig voran. Was sind die Folgen für die Bevölkerung und warum gibt es eine Internationale Woche der Elektrosensibilität, ja sogar einen "Welttag der Elektrohypersensibilität", der sich am 16. Juni 2022 zum fünften Mal jährte. Am Welttag der Elektrohypersensibilität werden gelbe Herzen in der Öffentlichkeit gezeigt, in sozialen Medien geteilt, leere gelbe Stühle auf funkbelastete öffentliche Plätze gestellt, um die vom öffentlichen Leben ausgegrenzten Elektrohypersensiblen sichtbar zu machen. Der gelbe Stuhl symbolisiert diejenigen, die aufgrund künstlicher elektromagnetischer Strahlung erkrankt sind und deshalb nur noch eingeschränkt an unserem gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und damit nicht mehr in unserer Mitte sind. Elektrohypersensible Menschen auf der ganzen Welt haben Schwierigkeiten, sich im Alltag zu schützen, gehört zu werden und ihre schwerwiegende Umwelterkrankung anerkannt zu bekommen.

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte bereits im Mai 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder für Menschen als "möglicherweise krebserregend" ein. Im Europarat wurde im Mai 2011 der Bericht Nr. 12608 "Die potentiellen Gefahren von elektromagnetischen Feldern und ihre Wirkungen auf die Umwelt" veröffentlicht. Dessen Zusammenfassung schließt mit dem Satz: "Man muss das Vorsorgeprinzip beachten und die geltenden Grenzwerte ändern; ein Abwarten eines hohen Grades von wissenschaftlichen und klinischen Beweisen kann zu sehr hohen gesundheitlichen und klinischen Kosten führen, so wie es in der Vergangenheit im Fall von Asbest, bleihaltigem Benzin und Tabak war". Auch der Europarat forderte schon vor Jahren mehr Vorsorge und eine Absenkung der Grenzwerte.

 

Welche Symbolkraft steckt aber hinter dem gelben Herz? Die verwendete gelbe Farbe steht für den Kanarienvogel, der als Frühwarnsystem im Bergbau eingesetzt wurde. In alten Minen wurden damals Kanarienvögel verwendet, um vor schädlichen Mengen Kohlenmonoxid zu warnen. Das Gas ist geruchs-, geschmacks- und farblos. Bei den geringsten Anzeichen von Stress beim Vogel wurden die Minen evakuiert und erforderliche Massnahmen ergriffen. Elektrohypersensible Menschen sind wie die Warnuhr, ähnlich der von Kanarienvögeln. Wir sollten diese Warnung wirklich ernst nehmen, bevor es zu spät ist.

 

Der Mobilfunk ist von einem Großteil der Bevölkerung ebenso nicht wahrnehmbar, aber immer mehr Menschen werden elektrohypersensibel. Diese können dann am öffentlichen Leben immer weniger teilnehmen.

 

Deshalb werden gelbe, unbesetzte Stühle an Orte gestellt, die Elektrohypersensible nicht mehr besuchen können. Mit der Aufstellung der leeren gelben Stühle wird gezeigt, dass die Betroffenen unter uns sind und dazu gehören. Obwohl immer mehr Menschen weltweit erkranken, werden keine Maßnahmen dagegen ergriffen. Die Grundrechte, Menschenwürde und Freiheit der Elektrohypersensiblen sind damit sehr eingeschränkt.

 

Die Bundesregierung wird aufgefordert, "die unverzügliche Verschärfung der Grenzwerte auf ein gesundheitlich verträgliches Maß zu veranlassen, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gefahren endlich ernst zu nehmen, die Forderungen der Baubiologie umgehend umzusetzen und dem EU-Vorsorgeprinzip auch beim Mobilfunk sofort Rechnung zu tragen".

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