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Leserbrief von Holger Geißel vom 24.12.2021

Thema "Stehlen aus ethischen Gründen", DK, Donnerstag, 23. Dezember 2021, Seite 10

Der Jesuiten-Parter Jörg Alt in Nürnberg verstößt gegen das Gesetz, in dem er beim "Containern" Lebensmittel aus dem Müll von Supermärkten rettet. Derartige Gesetze lassen den gesunden Menschenverstand langsam verzweifeln.

 

Wenn Konzernketten genießbare Lebensmittel vernichten, vernichten sie auch das Klima, deshalb darf jeder, der diese Lebensnmittel rettet, nicht länger kriminalisiert werden. Von Supermärkten weggeworfene Lebensmittel aus der Tonne zu holen, also gutes Essen vor der Vernichtung zu retten, ist in Deutschland ein Straftatbestand. Den strafrechtlichen Vorwurf des vorsätzlichen Diebstahls - Diebstahl aus dem Müll - nimmt Pater Dr. Jörg Alt bei seinem Protest bewusst in Kauf. Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten, ist nicht falsch, viel mehr sind Gesetze, die genau das verbieten, falsch.

 In Deutschland landen jährlich zwischen 12 und 18 Millionen Tonnen an Lebensmittel im Müll, während gleichzeitig fast 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Der sinnlose Einsatz von Boden, Energie, Wasser und anderen Rohstoffen, die verschwendet werden, um Lebensmittel zu produzieren, die dann im Müll landen, heizt den Klimawandel weiter an, trägt zum Artensterben bei sowie zur Übernutzung und Verschmutzung natürlicher Ressourcen.

 

Deshalb muss die Regierung sofort die Absichtserklärung auf Seite 45 des Koalitionsvertrages umsetzen, gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen und große Supermärkte dazu verpflichten, noch genießbares Essen zu spenden. Dass das keinesfalls utopisch ist, sondern gut funktioniert, zeigt vorbildhaft Frankreich, denn dort gibt es bereits seit 2016 ein solches Essen-Retten-Gesetz.

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