Zur Hauptnavigation springenZum Hauptinhalt springen

Leserbrief von Holger Geißel vom 24.04.2022

"Zu Besuch im Zentrum für Heimatenergie"

Auf  Berg im Gauer Gemeindegrund steht der größte Solarpark Süddeutschlands, der jetzt um weitere 60 Hektar ausgebaut wird. Für Ministerpräsident Markus Söder ist im Prinzip die ganze Fläche für den Klimaschutz da. Mit der Überplanung weiterer 60 Hektar Moorfläche wird das von der Bayerischen Staatsregierung im Mai 2021 angegebene Staatsziel "Klimaschutz durch Moorbodenschutz" geradezu diskreditiert, was aber anscheinend für CSU und Freie Wähler kein Problem darstellt.

 

Der Kreistag des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen hat am 24.06.2021 einstimmig beschlossen, das Entwicklungskonzept Donaumoos 2000-2030 zu überarbeiten und damit dem Antrag der beiden Kreisräte Enghuber (CSU) und Weigert (FW) zugestimmt. Doch bis zum heutigen Tage liegt meines Wissens kein Vorschlag, geschweige denn ein Planentwurf vor, aus dem die Errichtung von PV-Anlagen im Donaumoos abgeleitet werden könnte. Bis jetzt dürfte immer noch gelten, das Entwicklungskonzept Donaumoos ist in seiner Grundaussage "behördenverbindlich" und in den Regionalplan übernommen worden, an dem sich alle von diesem Planungsumgriff betroffenen Kommunen zu orientiern haben.

 

Das Umweltbundesamt ist der Ansicht, neben den vorrangig auf den Dachlandschaften zu platzierenden Modulen sind höchstens 2% der Landfläche erforderlich. Die hochsensiblen Moore und Moorlandschaften sind jedoch davon auszusparen. Es ist unglaublich, wenn das immer mehr mit Photovoltaik zugepflasterte Donaumoos auch noch unter dem Aspekt Naturschutz erklärt wird, wenn es schlicht und einfach um Profit geht.

 

Die Erweiterungsfläche von 60 Hektar zusätzlicher PV-Freiflächenanlage wird das Landschaftsbild der historisch-ökologischen einmaligen Niedermoorlandschaft noch weiter beeinträchtigen und dauerhaft für mindestens 20 Jahre massiv entstellen. Durch diese Solarfelder wird auch der dringend erforderliche Lückenschluss der Wiesenbrütergebiete am Südrand des Donaumooses für 20 und eventuell weitere Jahre blockiert. Denn das bestehende und zur Erweiterung beantragte Schornfeld II liegt genau zwischen den Wiesenbrütergebieten nordwestlich Berg im Gau/Langenmosen und dem Wiesenbrütergebiet südlich Kleinhohenried. Auch wenn dieser Bereich kein amtliches Wiesenbrütergebiet ist und eine gewisse Blockade die Wiederherstellung des ehemals zusammenhängenden Wiesenbrütergebietes bereits gegeben ist, rechtfertigt dies keinen weiteren Zubau der Landschaft, zumal im Entwicklungskonzept auch hier eine niedermoorschonende Landnutzung mit hohem Gründlandanteil vorgezeichnet wird. Noch gibt es einige Brutpaare des Großen Brachvogels und des Kiebitzes.

 

In Feuchtgebieten und Moorlandschaften haben PV-Module durch ihre spiegelnden Modulflächen eine erhebliche Auswirkung auf die Fortpflanzung bei wassergebundenen Insekten. Diese werden durch polarisierte Lichtspiegelungen angezogen und zur Eiablage auf die Modulfläche anstatt Wasserfläche stimuliert. Das haben Wissenschaftler aus Ungarn für Libellen, Eintagsfliegen und andere Insektenarten nachgewiesen.

 

Zu befürchen ist, der Niedermoorboden wird sich unter den PV-Modulen nicht erholen, aber er wird sich unter PV bei Sonne erwärmen, die Moorstaubstürme werden zunehmen, der Schutz der Biodiversität kann sich nicht einstellen und diese Art von Sonnenstromgewinnung auf Niedermoorboden wird nicht als nachhaltig eingestuft werden können.

 

Der Freistaat Bayern hat 200 Millionen Steuergelder bereitgestellt, die weitere Zerstörung des Moores zu beenden. Rasches Handeln ist jetzt dringend erforderlich, die populistische Umarmung von Bäumen durch Ministerpräsident Söder wird nicht mehr ausreichen, um den Niedergang des Donaumooses aufzuhalten.

Zurück