Pressemitteilung
Mehr Moor!
Was früher notwendig und richtig schien, entpuppt sich als fatal: Die Entwässerung der Moore. Wir müssen diesen Fehler rückgängig machen aus Verantwortung gegenüber kommenden Generationen, meint Holger Geißel, Kreisverbandsvorsitzender der ÖDP in Neuburg-Schrobenhausen. Er fordert Tempo bei der Renaturierung.
Moore binden CO2
Sebastian Knietig vom Donaumoos-Zweckverband wartet auf Regen. Warum das Donaumoos in diesem bedenklichen Zustand ist, sagt er nicht. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wird das Donaumoos systematisch entwässert, damit es landwirtschaftlich genutzt werden kann. Heutzutage bauen die Landwirte dort vor allem Kartoffeln und Mais an. Inzwischen ist die Torfschicht des Donaumooses so kaputt, dass einige Experten nur noch ein Viertel der Flächen, die rechnerisch infrage kommen, für uneingeschränkt renaturierbar halten. Knapp die Hälfte der Fläche ist demnach unwiederbringlich verloren.
Die Misere des Donaumooses steht für das Elend der Moore insgesamt in Bayern. Zwar gibt es quer durch den Freistaat eine ganze Reihe intakter und geradezu vorbildlicher Moore, etwa im Nationalpark Bayerischer Wald oder im Allgäu. Aber die übergroße Mehrheit dürfte so kaputt sein - vergleichbar mit dem Donaumoos. Schätzungen sprechen von bis zu 95% kaputter Moorflächen in Bayern.
2021 haben Ministerpräsident Söder, Agrarministerin Kaniber und Umweltminister Glauber ein groß angelegtes Renaturierungsprogramm für das Donaumoos angekündigt. Die Halbzeitbilanz ist vernichtend. Bis 2031, so Söder damals, werde der Freistaat 2000 Hektar zerstörtes Donaumoos wiederherstellen, rein rechnerisch 200 Hektar pro Jahr.
Stand Sommer 2026, so berichten übereinstimmend Mitglieder der Steuerungsgruppe, die das Renaturierungsprojekt begleitet. Es sind 140 Hektar Donaumoos so vernässt worden, dass sie das Klimagas CO2 wieder im Moorboden halten und sogar neues aufnehmen können. Und wenn alles gut läuft, könnten bis Ende 2027 weitere 60 bis 100 Hektar Donaumoos renaturiert werden.
Die beiden großen bayerischen Umweltorganisationen, der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) machen sich derweil - wie viele Experten - auch in Glauber's Ministerium, dafür stark, die Moor-Renaturierung im bayerischen Naturschutzgesetz und anderen einschlägigen Gesetzen als im "überragenden öffentlichen Interesse" zu verankern. "Damit könnte endlich Tempo in die Renaturieung kommen", sagt die BN-Expertin Christine Margraf. Die Staatsregierung indes macht keine Anstalten dazu. In ihrer aktuellen Novelle des Naturschutzgesetzes, die derzeit läuft, ist eine solche Aufwertung der Moor-Renaturierung nicht vorgesehen.
Wir können unsere Klimaziele und damit unsere Verpflichtung gegenüber den nach uns kommenden Generationen nur dann erfüllen, wenn wir die enorm hohen Klimagasemissionen aus entwässerten Mooren schnellstmöglich beenden. Moorschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass wir mit der Wiedervernässung endlich zügig voran kommen. Die Maßnahmen dürfen daher nicht davon abhängig gemacht weden, ob einige Landbewirtschafter mitmachen wollen oder nicht.
